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Damit keiner dumm aus der Wäsche gucken muss.

 

Damit eine Wäscherprinzessin so richtig in Schwung kommt, muss sie was schwingen – ein Zepter am besten. Und damit eine Weiberfastnacht nicht nur Veranstaltung ist, sondern Kultcharakter hat, gehört ein attraktives Wappen wie selbstverständlich zum Repertoire. Was es mit den beiden Symbolen im Zusammenhang mit dem Beueler Karneval auf sich hat, erfahren Sie hier ebenso, wie alles über die einzigartigen Symbolfiguren, die unserer Weiberfastnacht die besondere Note geben.

Symbole

In Beuel schwingen wir das Zepter – und was für eins.

Der guten Beobachtungsgabe zweier karnevalsbegeisterter Journalisten ist es zu verdanken, dass die Beueler Wäscherprinzessin seit 1968 ein elegantes Zepter schwingt. Als die beiden auf die Hände der damals neuen Regentin blickten, konnten sie ein hohes Maß an Nervosität feststellen, die sich nicht verbergen ließ. Rolf Tanski, damals Lokalredakteur der Bonner Rundschau, hatte gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Hartmut Palmer die rettende Idee: Ein Zepter musste her.

Zepter statt zittern.

Mit Hilfe eines eleganten Herrscherstabes sollte die zittrige Hand der Prinzessin souverän ruhiggestellt werden. Pünktlich zur Proklamation war das Meisterstück, das an seiner Spitze ein verschmitzt grinsendes Bröckemännchen (siehe auch Figuren, Bröckemännchen) zeigt, dann auch fertig. Die Entstehungskosten in Höhe von 100 Mark übernahm großzügigerweise der damalige Bürgermeister Hans Steger. Eine Kopie des Zepters ist heute im Beueler Heimatmuseum zu bewundern.

Zepter

Wappen mit Wellen.

Das Beueler Wappen mit dem auf blauen Wellen schaukelnden Fährschiff greift inhaltlich die geschichtliche Vergangenheit Beuels auf – spielte hier doch die Fährschifffahrt mangels Brücken über den Rhein lange eine große Rolle. Die 13 Sterne im Wappen symbolisieren die 13 Orte, die heute zum Stadtverbund von Beuel gehören und traditionell ein starkes Eigenleben haben. Seit 24.8.1952 ist Beuel offiziell eine Stadt, vom gleichen Tag an wurde das Wappen geführt.

Figuren

Im Karneval macht Beuel immer eine gute Figur.

Bröckemännche, Bröckeweibchen, Beueler Waschfrau, Stitze Män und Schultheißin heißen die fünf Charaktere, die zur Weiberfastnacht hier in Beuel gehören wie das Ufer zum Rhein. Doch welche Bedeutung haben diese Figuren eigentlich? Welche Geschichte steckt jeweils dahinter? Und was haben sie mit dem Karneval hier bei uns auf der Sonnenseite des Rheins zu tun? All das und noch mehr erfahren Sie, wenn Sie hier nach unten scrollen.

Das Bröckemännche – Symbol des Widerstands.

Als 1889 die erste Rheinbrücke in Bonn fertiggestellt wurde, war man in Beuel gar nicht verzückt – landete die Brücke doch viel weiter nördlich an als die Beueler es erwartet und straßentechnisch eingeplant hatten. Aus Protest gegen das in ihren Augen misslungene Bauwerk machten die Rechtsrheiner einfach einen großen Bogen darum und beteiligten sich auch nicht an den Baukosten. Mit dem Anbringen eines aus Stein gehauenen Bröckemännches, das den Beuelern sein Hinterteil entgegenreckte, quittierten die Bonner das Verhalten der Beueler.

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Als die Brücke im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ging auch das Bröckemännche baden, wurde aber von Philipp Otto aus Beuel, dem Wirt der Gaststätte “Zum kleinen Museum”, gerettet. Als dann in Beuel im Jahr 1949 das 125jährige Jubiläum der Weiberfastnacht gefeiert wurde, machte Otto sein Geheimnis öffentlich – und so wurde der kleine Kerl auf einem geschmückten Wagen durch die Straßen Beuels kutschiert und triumphierend bejubelt. Anschließend übergab man das angeschlagene Bröckemännche der Stadt Bonn, die es restaurieren ließ.
Schon nach kurzer Zeit war der kleine Kobold wieder zurück an der Brücke, wurde unterhalb des Pfeilers montiert.
Sein Hinterteil zeigt heute allerdings nach Südosten Richtung Frankfurt – als kleiner Seitenhieb auf die damalige Niederlage der Mainmetropole im Kampf um die Bundeshauptstadtentscheidung.

brueckeweibchen

Bröckeweibchen – mit Pantoffel gegen das Bröckemännche.

Auf der Beueler Rheinseite befand sich bis Ende des zweiten Weltkriegs das Bröckeweibchen – feminines Gegenstück zum Bröckemännche. Die mit einem Pantoffel in der Hand in Drohgebärde in den Stein geschlagene Figur wurde 1898 vom Bildhauber Brasche gefertigt und hing bis zur Zerstörung am rechten Strompfeiler der Rheinbrücke. Anschließend verschwindet das Bröckeweibchen aus den Geschichtsbüchern und taucht erst 1949 wieder auf.

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Um ein Denkmal für ihr 125jähriges Jubiläum der Beueler Weiberfastnacht zu schaffen, stellte das Alte Beueler Damenkomitee die Figur auf eine Sockel ans Rheinufer. Dazu die Unterschrift: “De Welt es e Laake dat selvs de Beueler net wäsche könne.” Seit 2006 ist das Bröckeweibchen in die neue Mauer im Rahmen des Hochwasser-schutzprojektes integriert. Dazu wurde sie vom Steinmetz Michael Neundorf imprägniert und mit einer von der Bildhauerin Sigrid Wenzel hergestellten Bronzetafel mit dem oben genannten Spruch versehen.
Bis heute zeigt sie mit ihrer grimmigen Mine und dem drohenden Pantoffel in Richtung des blankziehenden Bröckemännches – ein kurzweiliges Drohgebärden- und Foppspiel, das viele Brückenquerer immer wieder schmunzeln lässt.

Die Beueler Waschfrau – Symbolfigur der Beueler Wäscherinnen.

Das Denkmal der Beueler Waschfrau ist stummer Zeuge eines Gewerbes, das das Leben in Bonn in weiten Teilen des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt hat. Die Waschweiber waren legendär und sie sind es dank des wunderbaren Brauchtums des Karnevals bis heute. Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei ein Besuch des Beueler Heimatmuseums dringend empfohlen.

Der Stitze Männ – ein Beueler Original.

Anders als der Name vermuten lässt, ist der Stitze Männ eine Frau, die sich im Leben wie ein Mann behauptet, bis ins hohe Alter furchtlos jeden Kampf aufgenommen hat und dabei stets Sieger geblieben ist. Der Name der Kultfigur geht darauf zurück, dass die Frau ihrem Vater den verstorbenen Sohn ersetzen und ihn so vor Kummer bewahren wollte. So blieb sie auch über den Tod des Vaters hinaus der Stitze Männ. Drei Jahre vor Ende des 18. Jahrhunderts trat der Stitze Männ in die Reihen des Damenkomitees ein und übernahm dort sehr bald die Leitung der Weiberfastnacht.

Die Schultheißin – das macht sich jeder seinen Reim drauf.

Der wackern Schultheißin Gruß und Preis,
Sie ist der Narrheit Zier, Und glänzt im farb’gen Kappenkreis
Als funkelnder Saphir.
Drum hebt die Gläser noch empor
Und jauchzet im vollen Freudenchor:
Es lebe, es lebe, es leb‘ die Schultheißin hoch!

Sie sprüht von ihrem bunten Thron
Die tollsten Witze aus;
Sie ist der Narrheit echtes Kind,
Ein kreuzfideles Haus.
Drum salutiert, wie sich’s gebührt,
Der Heldin, die so brav uns führt,
Es lebe, es lebe, es leb‘ die Schultheißin hoch!

Ihr Pritschchen glänzet sonnenhell
Gleich einem Meteor;
Es tönet silberglockenhell
In jedes Narrenohr. Die Kappen werfet hoch empor,
Es gilt dem Narren-Matador,
Es lebe, es lebe, es leb‘ die Schultheißin hoch!

Steckt Sie die Nase in ihr Glas
Und sucht der Weisen Stein,
Netzt ihr die Lipp‘ das duft’ge Naß,
So folgt der Führerin fein.
Dann lacht man, daß der Bauch vibriert,
Mit Jubel wird dann veneriert:
Es lebe, es lebe, es leb‘ die Schultheißin hoch!

Wir schwören ew’ge Treue ihr,
So lang der Fasching währt.
Des Aufruhrs giftig Ungetüm
Zück nie das scharfe Schwert:
So wahr der Wein das Herz erquickt,
Bleib‘ unsere Treue unverrückt
Und jauchze, und jauchze der teuren Schultheißin hoch!

Denkanstoß

Weiberfastnacht und das Rollenbild der Frau.

Man kann die Beueler Weiberfastnacht als rein karnevalistischen Akt sehen – und das soll und will sie eigentlich auch sein. Dennoch sei einmal der Gedanke erlaubt, ob nicht eigentlich viel mehr hinter dem selbstbewussten Auftritt der Beueler Waschweiber zu erkennen ist als “nur” eine kurzfristig auflodernde Flamme der Ausgelassenheit, die dann wieder bis zur nächsten Session auf halber Flamme vor sich hinkocht.

In Zeiten, in denen so viel über das Rollenbild der Frauen diskutiert wird, ist die Weiberfastnacht doch so etwas wie die Entdeckung der Frauenpower. An Weiberfastnacht übernehmen die Frauen das Ruder, die Macht und geben sie erst dann wieder ab, wenn ihnen danach ist. Weiberfastnacht ist gelebte Emanzipation. Und die Männer wissen ihr nichts entgegenzusetzen – weil sie nicht wollen, weil ihnen die Hände gebunden sind, weil sie dem Charme der Wiever nichts entgegenzusetzen haben.
Frauen, wie wär’s mit etwas mehr Weiberfastnacht-Power im Alltag? Die Männer könnten es gut gebrauchen.